Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 7: Schmerz

Am 8. Tag unserer Ausbildung ging es um den Umgang mit Schmerz am Lebensende. Eine erfahrene Palliativärztin gab uns Grundlagenwissen zum Thema Schmerz und teilte ihre eigenen Erfahrungen mit uns, sowohl im Hospiz als auch bei Hausbesuchen. Das war bisher mit Abstand die herausforderndste Einheit für mich. Ich gebe hier nicht alles wieder, was sie erzählt hat, möchte aber vorwarnen: Manches davon kann belastend sein.

Hier, was ich mitgenommen habe.

Schmerz ist mehrdimensional
Wir kannten das Konzept des Total Pain bereits: Schmerz ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional, sozial und spirituell. Wie jemand Schmerz erlebt, hängt nicht nur von seiner körperlichen Verfassung ab, sondern auch vom emotionalen, sozialen und spirituellen Zustand.

Die Angst vor Opioiden sitzt tief
Viele Menschen lehnen Opioide ab, aus Angst vor einer Abhängigkeit, obwohl eine Abhängigkeit für jemanden, der ohnehin nicht mehr lange genug leben wird, um deren Folgen zu erleben, eigentlich keine echte Sorge sein müsste.

Eine Balance zwischen Schmerz und Bewusstsein
Nimmt der Schmerz weiter zu, steht ein Patient irgendwann vor der Entscheidung: ein gewisses Maß an Schmerz aushalten oder einen Teil des eigenen Bewusstseins aufgeben.

Die meisten Menschen schlafen einfach ein
Die Ärztin erzählte uns, dass rund 90 Prozent ihrer Patient:innen an Erschöpfung sterben und dabei einfach einschlafen, ohne wieder aufzuwachen. Ich finde das, ehrlich gesagt, sehr tröstlich.

Das schwierige Thema der palliativen Sedierung
Bei der palliativen Sedierung wird ein Patient so stark sediert, dass sich dadurch der Sterbeprozess beschleunigen kann. Sie ist das letzte Mittel, wenn Symptome nicht mehr beherrschbar und das Leiden unerträglich geworden sind. Da ihr Ziel die Linderung von Leid ist, nicht die Beendigung des Lebens, gilt sie nicht als Sterbehilfe. Trotzdem bleibt die Frage, ob und wann sie eingesetzt wird, hochumstritten, vor allem, wenn der Patient nicht mehr bei Bewusstsein ist und seinen eigenen Willen nicht mehr äußern kann.

Eine palliative Sedierung ist nie eine leichte Entscheidung. Und selbst ohne sie kann der Tod eines Patienten manchmal unbeabsichtigt durch Schmerzmittel beschleunigt werden, was das Palliativteam in eine extrem schwierige Lage bringen kann, wenn trauernde Angehörige darin eher Schaden als Fürsorge vermuten.

Wie Menschen sterben, ist wichtig. Deshalb lohnt es sich, Mitgefühl für jene aufzubringen, die ihr Bestes geben, um Menschen am Lebensende Schmerzen zu lindern. Auch wenn leider nicht immer jeder Schmerz genommen werden kann. Leider wird of ein unerlöster Schmerz auf die Menschen projiziert, die sich um die Person kümmern.

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