Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 4: Meine Beziehung zum Tod

Vor Kurzem hatten wir unser erstes Ausbildungswochenende in voller Länge, ganz der eigenen Beziehung zu Tod, Verlust und Angst gewidmet. Intensiv, aber unglaublich wertvoll. Hier ein paar der wichtigsten Erkenntnisse.

Fang bei dir selbst an
Wer einem sterbenden Menschen wirklich helfen will, muss zuerst die eigene Beziehung zum Tod klären. Was ein sterbender Mensch braucht, ist jemand, der wirklich für ihn da sein kann, nicht jemand, der die eigenen inneren Kämpfe und Ängste nicht von denen des anderen trennen kann.

Welche Beziehung hast du zur Angst?
Angst gehört zu dieser Arbeit dazu, das lässt sich nicht vermeiden. Deshalb haben wir eine Übung gemacht, bei der jede:r von uns eine der eigenen tiefsten Ängste ausgewählt und ein Gespräch mit ihr begonnen hat. Diese Übung hat mir gezeigt: Wir werden die Angst nicht los, sie gehört zum Leben, aber wir können unsere Beziehung zu ihr verändern. Für mich war das ein echter Wendepunkt: Ich habe eine Stimme gefunden für etwas, das mich normalerweise sprachlos macht. Seitdem biete ich diese Übung auch anderen an, die ihre eigene Beziehung zur Angst verändern möchten.

Achte auf die Stimmung und Energie, die du in den Raum bringst
Ein sterbender Mensch spürt sehr genau, welche Stimmung im Raum herrscht. Wer nicht bereit für einen Besuch ist oder die nötige innere Ruhe fehlt, sollte ihn lieber absagen, statt sich durchzuzwingen, denn die Person merkt es ohnehin. Gleichzeitig darf man auch offen zeigen, wenn man überfordert oder erschöpft ist. Entscheidend ist Ehrlichkeit: Dem Tod kann man nichts vormachen.

Man braucht eine Kraftquelle
Sich mit Tod und Angst auseinanderzusetzen, ist enorm herausfordernd. Deshalb braucht es eine persönliche Kraftquelle, auf die man sich jederzeit stützen kann. Sie kann religiös, spirituell, mit der Natur verbunden oder einfach ein Symbol sein, wichtig ist nur, dass man wirklich Kraft daraus schöpfen kann. Unsere Trainerin hat mehrfach betont, wie wichtig es ist, diese Verbindung lebendig zu halten und eine regelmäßige Praxis dafür zu finden.

Unten seht ihr meine persönliche Kraftquelle: eine Kette mit dem Symbol einer Welle. Ich habe sie mir zu Beginn der Ausbildung geholt, mit dem Gefühl, dass ich sie brauchen würde. Die Welle wird oft als Metapher für Leben, Tod und Non-Dualität verwendet. Eine Welle steigt aus dem Ozean auf, erreicht ihren Höhepunkt und bricht. Man könnte also meinen, sie werde geboren und stirbt später. Doch am Ende ist eine Welle nur eine vorübergehende Form, die das Wasser annimmt. Das Wasser war da, lange bevor die Welle entstand, und es bleibt da, lange nachdem sie vergangen ist. Genau deshalb habe ich die Welle als mein Symbol gewählt: Sie erinnert mich daran, dass wir nicht die Welle sind, sondern das Wasser.

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