Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 3: Kommunikation

Am dritten Tag unserer Ausbildung besuchte uns eine erfahrene Palliativpflegerin und brachte uns einige wichtige Grundlagen zur Kommunikation mit sterbenden Menschen bei. Es war erst der Auftakt, dieses Thema wird uns noch viel länger begleiten, aber schon dieser erste Tag hat mir einiges mitgegeben.

Was sagst du eigentlich wirklich?
Wir lernten das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun kennen, das zeigt: Kommunikation ist weit mehr als der reine Sachinhalt. Jedes Mal, wenn wir kommunizieren, verraten wir auch etwas über unsere Beziehung zum Gegenüber, über uns selbst und darüber, was wir uns als Reaktion erhoffen. Dieses Modell hilft enorm dabei, wirklich zu verstehen, was ein sterbender Mensch uns eigentlich mitteilen möchte.

Es gibt mehr als Worte
Viele Menschen am Ende ihres Lebens können nicht mehr sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass die Kommunikation damit endet. In einem Rollenspiel haben wir hautnah erlebt, wie viel sich allein durch Berührung, Blickkontakt und schlichte Anwesenheit sagen lässt.

Nicht aufdrängen
Der Handlungsspielraum eines sterbenden Menschen wird immer kleiner, bis er irgendwann nur noch das Bett umfasst, in dem die Person liegt. Und selbst in diesen letzten Quadratmetern wird ständig von Pflegekräften, Familie und Freunden "eingedrungen". Das kann belastend sein und dazu führen, dass sich Persönlichkeit und Kommunikationsweise eines Menschen spürbar verändern, was für Angehörige oft schwer auszuhalten ist. Den persönlichen Raum eines sterbenden Menschen zu respektieren, ist daher extrem wichtig.

Ohnmacht aushalten lernen
Als Sterbebegleiter:in musst du lernen, dich mit dem Gefühl der Ohnmacht anzufreunden. Egal, wie gut du dich vorbereitest oder wie erfahren du bist, du wirst immer wieder in Situationen geraten, in denen einfach nichts hilft. Wo es keine richtigen Worte gibt und es auch nichts zu reparieren gibt.

Einfach dabeibleiben
Manchmal gibt es nichts zu sagen und nichts zu tun, außer bei jemandem zu bleiben, selbst wenn diese Person große Schmerzen hat und man am liebsten sofort etwas ändern oder wenigstens ablenken würde. Das ist alles andere als leicht, aber dieses "einfach dabeibleiben" lässt sich trainieren, wie ein Muskel. Ich glaube, sie ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt, wenn man einen sterbenden Menschen begleiten möchte.

Unten seht ihr ein Bild der Kerze, die wir vor unserer Ausbildung angezündet haben, um Ruhe in den Raum zu bringen. So schwer der Sterbeprozess auch sein mag, er bleibt ein Privileg. Jeder Mensch verdient es, umsorgt zu werden und in Frieden zu sterben, wenn der Moment gekommen ist. Und dieser Moment sollte niemals von jemand anderem bestimmt werden. Die Würde des Lebens zu missachten ist, glaube ich, eines der größten Unrechte, die wir begehen können.

Previous
Previous

Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 4: Meine Beziehung zum Tod

Next
Next

Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 2: Ein Loch im Herzen