Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 2: Ein Loch im Herzen

Zum zweiten Mal trafen sich die elf anderen Ehrenamtlichen und ich mit zwei unserer Trainerinnen. Diesmal ging es um drei Themen.

❧ Zuerst wurde uns genau erklärt, wie Menschen am Lebensende versorgt werden, die noch zu Hause leben. Daran sind oft viele verschiedene Menschen beteiligt: Hausärzt:innen, Palliativpflege, Pflegedienste, soziale Dienste und natürlich Familie und Freunde. Damit die Versorgung gut gelingt, braucht es vor allem eines: dass alle Beteiligten gut miteinander kommunizieren.

❧ Das zweite Thema des Abends waren Erwartungen, und zwar in beide Richtungen: Was wird von uns erwartet, und was dürfen wir von den Hospizkoordinator:innen erwarten, die für uns zuständig sind? Wer sich entscheidet, einen sterbenden Menschen zu begleiten, verpflichtet sich zu Verlässlichkeit, mindestens ein Besuch pro Woche, für mindestens zwei Stunden. Gleichzeitig sind wir gefragt, Veränderungen im Gesundheitszustand zurückzumelden. Im Gegenzug können wir uns darauf verlassen, dass das Hospizteam für uns da ist, rund um die Uhr, denn man weiß nie, was während eines Besuchs passiert und ob man plötzlich Hilfe braucht. Und weil diese Arbeit emotional herausfordernd sein kann, bekommen wir außerdem einmal im Monat Supervision. Wer überlegt, sich in einem Hospiz zu engagieren, sollte genau danach fragen, welche Unterstützung angeboten wird. Niemand sollte mit schwierigen Situationen alleingelassen werden.

❧ Zum Abschluss gab es eine kleine Übung: Was bedeutet es mir persönlich, mich ehrenamtlich in einem Hospiz zu engagieren? Wir sollten unsere Antwort in einer Zeichnung ausdrücken. Unten seht ihr mein (sehr einfaches) Bild: ein Herz mit einem Loch darin, teilweise gefüllt mit kleinen Puzzleteilen, einige davon mit dem Wort "Ehrenamt" beschriftet. Die Idee dahinter stammt von einem Konzept des Psychologen Jonathan Haidt, über das ich kurz zuvor gelesen hatte. Haidt zufolge werden wir alle mit einem Loch im Herzen geboren, und es ist unsere Lebensaufgabe, dieses Loch mit etwas zu füllen, das uns heilig ist, mit etwas, das größer ist als wir selbst. Bleibt das Loch leer, entsteht daraus nicht nur ein Gefühl der Leere, sondern auch Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Viele Menschen füllen es mit Gott, andere mit etwas ganz anderem.

Dieser Gedanke berührt mich sehr. Auch wenn ich nicht im klassischen Sinne religiös bin, glaube ich fest daran, dass wir alle etwas Heiliges brauchen, etwas, das größer ist als wir selbst, gerade in schwierigen Zeiten wie diesen. Ich selbst versuche, mein Loch mit verschiedenen Praktiken zu füllen: mit der bewussten Würdigung des Lebens und dem Gefühl, dass alles miteinander verbunden ist. Meine Entscheidung, Sterbebegleiter zu werden, dem Tod zu begegnen und gleichzeitig das Leben zu ehren, ist eine dieser Praktiken.

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