Meine Ausbildung zum Sterbebegleiter, Teil 1: Der Anfang

Gestern habe ich eine 8-monatige Ausbildung zum Sterbebegleiter an einem Hospiz in Berlin begonnen. Sterbebegleiter bedeutet im Grunde, dass ich Menschen am Ende ihres Lebens besuche, zu Hause, im Krankenhaus oder im Hospiz, und Zeit mit ihnen und ihren Familien verbringe, um emotionale Unterstützung zu bieten.

Ich habe mich entschieden, meine Erfahrungen während der Ausbildung öffentlich zu teilen, in der Hoffnung, den ein oder anderen zu motivieren, sich ebenfalls in einem Hospiz in der Nähe zu engagieren, denn wir brauchen dringend mehr Sterbebegleiter*innen. Gleichzeitig möchte ich auch etwas von dem Wissen weitergeben, das ich über die Begleitung von Menschen am Lebensende lerne.

Am ersten Tag unserer Ausbildung haben wir unsere Trainerinnen kennengelernt und trafen auf unsere elf Mitstreiter:innen. Hier meine Eindrücke, Gedanken und Erkenntnisse von diesem ersten Tag.

❧ Die moderne Hospizarbeit wurde von Frauen gegründet, unter anderem von Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross, und wird bis heute von Frauen getragen: Alle unsere Trainerinnen sowie zehn von zwölf Ehrenamtlichen in unserer Gruppe sind Frauen. Nicht nur die Geburt, sondern auch der Tod ist weiblich.

❧ In der Hospizarbeit geht es darum, "den Tagen mehr Lebensqualität zu geben, auch wenn wir dem Leben keine Tage mehr hinzufügen können" (Cicely Saunders).

❧ Ich habe das Konzept des Total Pain kennengelernt, wonach der Schmerz eines sterbenden Menschen körperliche, psychische, soziale und spirituelle Komponenten hat, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Leider werden psychischer, sozialer und spiritueller Schmerz bei der Begleitung Sterbender oft übersehen.

❧ Nicht-medizinische Hospizarbeit, also psychologische, emotionale und spirituelle Unterstützung, wird in Deutschland fast ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet.

❧ 80 bis 90 Prozent der Menschen würden sich wünschen, zu Hause zu sterben. Deshalb gewinnt die ambulante Hospizarbeit immer mehr an Bedeutung.

❧ Zu Beginn des Abends fand jede:r von uns an ihrem Platz ein anderes Zitat, zusammen mit ein paar Snacks. Meines lautete: "Freiheit und Freude bestehen im Loslassen, nicht im Sammeln und Bewahren." Im Kontext der Hospizarbeit bekommt dieser Satz für mich eine völlig neue Dimension.

❧ Eine unserer Trainerinnen erinnerte mich sehr, und ich meine wirklich SEHR, an meine Tante, die vor fast zwei Jahren verstorben ist. Ich musste mich richtig zusammenreißen, die Trainerin nicht einfach zu umarmen. Da der Abschied von meiner Tante an ihrem Krankenbett einer der Gründe ist, warum ich mich für diese Ausbildung entschieden habe, wurde mir bewusst, dass das Leben oft einen eigenartigen Humor hat.

Nach diesem ersten Ausbildungsabend habe ich wirklich das Gefühl, am richtigen Ort angekommen zu sein. Es wird eine unglaubliche Reise mit ganz besonderen Menschen und vielem, was ich über das Sterben, den Tod und auch über mich selbst lernen werde. Und ich bin unendlich dankbar, dass meine Tante mich auf dieser Reise begleiten wird.

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