Sterbebegleiter Ausbildung Berlin, Teil 11: Die Rolle von Ritualen in der Hospizarbeit
Vor Kurzem ging es bei uns um den Einsatz von Ritualen in der Hospizarbeit. Nicht um Rituale, die man gemeinsam mit einem sterbenden Menschen durchführt, das ist normalerweise nicht unsere Aufgabe, sondern etwas, das die betroffene Person mit ihren Liebsten macht, wenn sie es möchte. Stattdessen ging es um die Bedeutung von Ritualen im Allgemeinen, und darum, wie sie einen selbst unterstützen können, wenn man im Hospiz oder mit sterbenden Menschen arbeitet.
Das Hospiz, mit dem ich zusammenarbeite, hat seine eigenen Rituale: manche direkt nach dem Tod eines Menschen, manche im Rahmen der wöchentlichen Teamtreffen, wieder andere einmal im Jahr, zur Erinnerung an alle, die verstorben sind. Eine Tradition, die mir besonders gefällt, vielleicht nicht ganz ein Ritual, aber nah dran: Jede neu aufgenommene Person im Hospiz bekommt einen Stern aus buntem Papier mit ihrem Namen darauf. Dieser Stern hängt für die Dauer des Aufenthalts an der Zimmertür. Nach dem Tod der Person wandert ihr Stern zu all den anderen in ein großes Glas, eine wachsende Erinnerung an alle, die dort waren (siehe Bild).
Hier noch ein paar Dinge, die ich über Rituale gelernt habe:
❧ Ein Ritual unterscheidet sich von einer Routine dadurch, dass es mit einer bestimmten Achtsamkeit ausgeführt wird, meist mit etwas Vorbereitung und einer klaren Absicht dahinter.
❧ Rituale können allein oder gemeinsam vollzogen werden, aber selbst wenn man sie allein macht, verbinden sie einen meist mit etwas Größerem als einem selbst.
❧ Sie können Orientierung und Trost geben, besonders in schwierigen Zeiten.
❧ Viele Rituale nutzen Symbole, Gegenstände, Musik oder Gesang, um Gefühle auszudrücken oder ein Gefühl von Verbindung und Gemeinschaft zu schaffen. Oft geht es weniger um Worte, mehr darum, etwas auf eine bestimmte Weise zu tun oder einen bestimmten inneren Zustand zu erzeugen.
❧ Rituale laden uns ein, kurz innezuhalten und uns wieder mit dem zu verbinden, was uns wirklich wichtig ist. Deshalb wurden wir ermutigt, eigene Rituale zu entwickeln, rund um das, was uns am Herzen liegt, und sie in den Alltag einzubauen.
Ein Stern für jeden Menschen

